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Erwartungswert: Unterschied zwischen den Versionen

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Gemäß dem [[Empirisches_Gesetz_der_großen_Zahlen|empirischen Gesetz der großen Zahlen]] nähern sich die [[Häufigkeit|relativen Häufigkeiten]] der Ergebnisse eines [[Zufallsexperiment|Zufallsexperiments]] den [[Wahrscheinlichkeitsverteilung|Wahrscheinlichkeiten]] an. Der Erwartungswert ist das [[Arithmetisches_Mittel#Arithmetisches_Mittel_und_H%C3%A4ufigkeiten|arithmetische Mittel]] mit Wahrscheinlichkeiten anstatt relativen Häufigkeiten und gibt daher den Durchschnittswert an, den man bei vielen Wiederholungen eines Zufallsexperiments erwarten kann.  
Gemäß dem [[Empirisches Gesetz der großen Zahlen|empirischen Gesetz der großen Zahlen]] nähern sich die [[Häufigkeit|relativen Häufigkeiten]] der Ergebnisse eines [[Zufallsexperiment|Zufallsexperiments]] bei einer großen Anzahl von Wiederholungen den theoretischen [[Wahrscheinlichkeitsverteilung|Wahrscheinlichkeiten]] an[cite: 1, 2].  
 
Während das empirische [[Arithmetisches Mittel#Arithmetisches Mittel und Häufigkeiten|arithmetische Mittel]] aus den beobachteten relativen Häufigkeiten einer Stichprobe berechnet wird, ist der '''Erwartungswert''' (oft mit <math>\mu</math> oder <math>E(X)</math> bezeichnet) das mit den theoretischen Wahrscheinlichkeiten gewichtete Mittel[cite: 1, 2]. Er gibt den Durchschnittswert an, den die [[Zufallsvariable]] bei sehr vielen Wiederholungen des Zufallsexperiments auf lange Sicht im Mittel annimmt[cite: 1, 2].


==Definition==
==Definition==
Es sei <math>S=\{x_1,x_2,...,x_n\}</math> die [[Zufallsexperiment#Definition|Ergebnismenge]] eines [[Zufallsexperiment#Definition|Zufallsexperiments]] mit <math>n \in \mathbb{N}</math> und <math>x_1,x_2,...,x_n \in \mathbb{R}</math>. Für die [[Zufallsvariable]] <math>X</math> und die [[Wahrscheinlichkeitsverteilung]] <math>P:S \rightarrow \mathbb{R}</math> sei <math>P(X=x_i)</math> die [[Wahrscheinlichkeitsverteilung|Wahrscheinlichkeit]] des Ergebnisses <math>x_i</math> mit <math>1 \leq i \leq n</math>. Dann ist <math>\mu=E\left(X\right)=x_1\cdot P(X=x_1)+x_2\cdot P(X=x_2)+\ldots+x_n\cdot P(X=x_n)</math> der '''Erwartungswert''' der Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Es sei ein Zufallsexperiment mit der endlichen [[Zufallsexperiment#Definition|Ergebnismenge]] <math>\Omega</math> gegeben[cite: 1, 2]. Eine diskrete [[Zufallsvariable]] <math>X</math> nehme die Werte <math>x_1, x_2, \dots, x_n \in \mathbb{R}</math> mit den zugehörigen Wahrscheinlichkeiten <math>P(X = x_i)</math> an (wobei <math>\sum_{i=1}^n P(X = x_i) = 1</math> gilt)[cite: 1, 2].
 
Der '''Erwartungswert''' <math>\mu = E(X)</math> der Zufallsvariablen <math>X</math> ist definiert als[cite: 1, 2]:
 
<math>\mu = E(X) = \sum_{i=1}^n x_i \cdot P(X = x_i) = x_1 \cdot P(X = x_1) + x_2 \cdot P(X = x_2) + \dots + x_n \cdot P(X = x_n)</math>[cite: 1, 2]
 
'''Bedeutung der Bestandteile:'''
*<math>x_i</math> sind die möglichen Realisationen (Werte) der Zufallsvariablen <math>X</math>[cite: 1, 2].
*<math>P(X = x_i)</math> ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsvariable den Wert <math>x_i</math> annimmt[cite: 1, 2].
*<math>\sum_{i=1}^n</math> summiert die gewichteten Werte über alle <math>n</math> möglichen Ausprägungen auf[cite: 1, 2].


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==Faires Spiel==
==Faires Spiel==
Es sei <math>S=\{x_1,x_2,...,x_n\}</math> die [[Zufallsexperiment#Definition|Ergebnismenge]] eines [[Zufallsexperiment#Definition|Zufallsexperiments]] mit <math>n \in \mathbb{N}</math>, <math>x_1,x_2,...,x_n \in \mathbb{R}</math> der Zufallsvariable <math>X</math> und der Wahrscheinlichkeitsverteilung <math>P:S \rightarrow \mathbb{R}</math> mit der [[Wahrscheinlichkeitsverteilung|Wahrscheinlichkeit]] <math>P(X=x_i)</math> des Ergebnisses <math>x_i</math> mit <math>1 \leq i \leq n</math>. Hat das Zufallsexperiment zwei Teilnehmer und gilt für <math>X=x_i<0</math> bzw. <math>X=x_i\geq 0</math>, dass ein Teilnehmer einen Verlust bzw. Gewinn in Höhe von <math>x_i</math> Geldeineiheiten erzielt hat, dann heißt das Zufallsexperiment '''Spiel'''. Ein '''Spiel''' heißt '''fair''', wenn für die Zufallsvariable <math>X</math>, Gewinn/Verlust in Geldeinheiten, <math>E(X)=0</math> gilt.
In ökonomischen und stochastischen Kontexten wird ein Zufallsexperiment mit finanziellem Einsatz und Gewinnausschüttung als (Glücks-)'''Spiel''' zwischen zwei Parteien (in der Regel Spielteilnehmer und Spielanbieter) modelliert[cite: 1, 2].  
 
Beschreibt die [[Zufallsvariable]] <math>X</math> den Nettogewinn eines Spielers in Geldeinheiten (Gewinnauszahlung abzüglich Spieleinsatz, wobei Auszahlungen als <math>X > 0</math> und Verluste als <math>X < 0</math> dargestellt werden), so dient der Erwartungswert zur Beurteilung der Ausgewogenheit des Spiels[cite: 1, 2]:
 
Ein Spiel heißt '''fair''', wenn der erwartete Nettogewinn pro Spielrunde gleich null ist[cite: 1, 2]:
 
<math>E(X) = 0</math>[cite: 1, 2]
 
'''Beurteilungskriterien für ein Spiel:'''
*'''Faires Spiel (<math>E(X) = 0</math>):''' Auf lange Sicht gewinnt oder verliert im Durchschnitt weder der Spieler noch der Anbieter[cite: 1, 2].
*'''Günstiges Spiel (<math>E(X) > 0</math>):''' Der Spieler erzielt auf lange Sicht einen durchschnittlichen Gewinn pro Runde[cite: 1, 2].
*'''Ungünstiges Spiel (<math>E(X) < 0</math>):''' Der Spieler erzielt auf lange Sicht einen durchschnittlichen Verlust pro Spielrunde (dies ist der typische Fall bei kommerziellen Glücksspielen und Lotterien)[cite: 1, 2].
 
Alternativ kann die Bruttoauszahlung <math>A</math> betrachtet werden: Ein Spiel ist genau dann fair, wenn der Erwartungswert der Auszahlung exakt dem Einsatz <math>e</math> entspricht (<math>E(A) = e</math>)[cite: 1, 2].


==Beispiele==
==Beispiele==
===Erwartungswert beim dreifachen Münzwurf===
===Erwartungswert beim dreifachen Münzwurf===
Für das [[Zufallsexperiment]] des dreifachen Münzwurfes mit der [[Zufallsvariable]] <math>X</math>, Anzahl von Zahl, und der [[Wahrscheinlichkeitsverteilung]] <math>P(X=0)=0,125</math>, <math>P(X=1)=0,375</math>, <math>P(X=2)=0,375</math> und <math>P(X=3)=0,125</math>, wird der '''Erwartungswert''' durch <math>E\left(X\right)=0\cdot0,125+1\cdot0,375+2\cdot0,375+3\cdot0,125=1,5</math> berechnet.
Eine faire Münze wird dreimal geworfen[cite: 1, 2]. Die [[Zufallsexperiment#Definition|Ergebnismenge]] lautet[cite: 1, 2]:
 
<math>\Omega = \{\mathrm{ZZZ}, \mathrm{ZZK}, \mathrm{ZKZ}, \mathrm{ZKK}, \mathrm{KZZ}, \mathrm{KZK}, \mathrm{KKZ}, \mathrm{KKK}\}</math>[cite: 1, 2]
 
Die diskrete [[Zufallsvariable]] <math>X</math> beschreibt die Häufigkeit des Ergebnisses „Zahl“ und kann die Werte <math>x_i \in \{0, 1, 2, 3\}</math> annehmen[cite: 1, 2]. Die zugehörige [[Wahrscheinlichkeitsverteilung]] und die Zwischenschritte zur Berechnung des Erwartungswerts stellen sich wie folgt dar[cite: 1, 2]:
 
{| class="wikitable" style="text-align:center;"
|-
! Wert <math>x_i</math> (Anzahl Zahl) !! Günstige Ergebnisse aus <math>\Omega</math> !! Wahrscheinlichkeit <math>P(X = x_i)</math> !! Produkt <math>x_i \cdot P(X = x_i)</math>
|-
| 0 || <math>\{\mathrm{KKK}\}</math> || <math>0{,}125</math> || <math>0 \cdot 0{,}125 = 0</math>
|-
| 1 || <math>\{\mathrm{ZKK}, \mathrm{KZK}, \mathrm{KKZ}\}</math> || <math>0{,}375</math> || <math>1 \cdot 0{,}375 = 0{,}375</math>
|-
| 2 || <math>\{\mathrm{ZZK}, \mathrm{ZKZ}, \mathrm{KZZ}\}</math> || <math>0{,}375</math> || <math>2 \cdot 0{,}375 = 0{,}750</math>
|-
| 3 || <math>\{\mathrm{ZZZ}\}</math> || <math>0{,}125</math> || <math>3 \cdot 0{,}125 = 0{,}375</math>
|-
| '''Summe''' || || '''<math>1{,}000</math>''' || '''<math>\mu = 1{,}500</math>'''
|}
 
Der Erwartungswert berechnet sich durch Summation der Produkte[cite: 1, 2]:
 
<math>\mu = E(X) = 0 \cdot 0{,}125 + 1 \cdot 0{,}375 + 2 \cdot 0{,}375 + 3 \cdot 0{,}125</math>[cite: 1, 2]
 
<math>\mu = E(X) = 0 + 0{,}375 + 0{,}750 + 0{,}375 = 1{,}5</math>[cite: 1, 2]
 
'''Interpretation:'''
Bei sehr vielen Wiederholungen des dreifachen Münzwurfs ist auf lange Sicht durchschnittlich <math>\mu = 1{,}5</math>-mal das Ergebnis „Zahl“ pro Durchgang zu erwarten[cite: 1, 2].
 
===Einfacher Münzwurf als faires Spiel===
Wir betrachten das Werfen einer fairen Münze[cite: 1, 2]. Das Zufallsexperiment besitzt die Ergebnismenge[cite: 1, 2]:
 
<math>\Omega = \{\text{Kopf}, \text{Zahl}\}</math>[cite: 1, 2]
 
Die Spielregeln lauten aus Sicht des Teilnehmers:
*Fällt Kopf, gewinnt der Teilnehmer <math>1\,\text{Euro}</math>[cite: 1, 2].
*Fällt Zahl, verliert der Teilnehmer <math>1\,\text{Euro}</math> (der Anbieter erhält den Euro)[cite: 1, 2].
 
Die Zufallsvariable <math>X</math> beschreibt den finanziellen Nettogewinn des Teilnehmers in Euro und nimmt die Werte <math>+1</math> und <math>-1</math> an[cite: 1, 2]:
 
{| class="wikitable" style="text-align:center;"
|-
! Ergebnis aus <math>\Omega</math> !! Gewinn/Verlust <math>x_i</math> (in €) !! Wahrscheinlichkeit <math>P(X = x_i)</math> !! Produkt <math>x_i \cdot P(X = x_i)</math>
|-
| Kopf || <math>+1</math> || <math>\frac{1}{2} = 0{,}5</math> || <math>(+1) \cdot 0{,}5 = +0{,}5</math>
|-
| Zahl || <math>-1</math> || <math>\frac{1}{2} = 0{,}5</math> || <math>(-1) \cdot 0{,}5 = -0{,}5</math>
|-
| '''Summe''' || || '''<math>1{,}0</math>''' || '''<math>E(X) = 0{,}0</math>'''
|}
 
Der Erwartungswert des Nettogewinns berechnet sich wie folgt[cite: 1, 2]:
 
<math>E(X) = 1 \cdot P(X = 1) + (-1) \cdot P(X = -1)</math>[cite: 1, 2]


===Faires Spiel===
<math>E(X) = 1 \cdot \frac{1}{2} + (-1) \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{2} - \frac{1}{2} = 0</math>[cite: 1, 2]
Wir betrachten das Werfen einer fairen Münze, bei dem der Teilnehmer 1 Euro gewinnt, wenn die Münze Kopf zeigt, und 1 Euro verliert, wenn die Münze Zahl zeigt. Bei Zahl erhält der Anbieter den Euro. Wir betrachten das Spiel aus der Sicht des Teilnehmers.


Hierbei handelt es sich um ein Spiel, da es einen Teilnehmer und einen Anbieter des Spiels gibt. Das Spiel hat zwei mögliche Ergebnisse. Der Teilnehmer kann
'''Interpretation:'''
*1 Euro gewinnen, falls Kopf fällt ([[Wahrscheinlichkeit]]: <math>\frac{1}{2}</math>)
Da der Erwartungswert <math>E(X) = 0</math> beträgt, handelt es sich um ein '''faires Spiel'''[cite: 1, 2]. Weder der Spieler noch der Anbieter kann auf lange Sicht einen systematischen Gewinn erzielen[cite: 1, 2].
*1 Euro verlieren, falls Zahl fällt([[Wahrscheinlichkeit]]: <math>\frac{1}{2}</math>).
Die [[Zufallsexperiment#Definition|Ergebnismenge]] ist also <math>S=\{1;-1\}</math>. Die [[Zufallsvariable]] <math>X</math>, Gewinn in Euro, hat die Wahrscheinlichkeiten
*<math>P(X=1)=\frac{1}{2}</math>
*<math>P(X=-1)=\frac{1}{2}</math>.
Der Erwartungswert berechnet sich durch <math>E(x)=1 \cdot P(X=1)+(-1) \cdot P(X=-1)=1 \cdot \frac{1}{2} + (-1) \cdot \frac{1}{2}=\frac{1}{2}-\frac{1}{2}=0</math>. Das Spiel ist also fair. Auf lange Sicht gewinnt weder der Teilnehmer noch der Anbieter des Spiels.


[[Kategorie:Wahrscheinlichkeitsrechnung]]
[[Kategorie:Wahrscheinlichkeitsrechnung]]
[[Kategorie:Fachabitur]]
[[Kategorie:FHR WuV Mathe]]
[[Kategorie:AHR WuV Mathe GK]]

Aktuelle Version vom 28. September 2026, 08:23 Uhr

Gemäß dem empirischen Gesetz der großen Zahlen nähern sich die relativen Häufigkeiten der Ergebnisse eines Zufallsexperiments bei einer großen Anzahl von Wiederholungen den theoretischen Wahrscheinlichkeiten an[cite: 1, 2].

Während das empirische arithmetische Mittel aus den beobachteten relativen Häufigkeiten einer Stichprobe berechnet wird, ist der Erwartungswert (oft mit [math]\displaystyle{ \mu }[/math] oder [math]\displaystyle{ E(X) }[/math] bezeichnet) das mit den theoretischen Wahrscheinlichkeiten gewichtete Mittel[cite: 1, 2]. Er gibt den Durchschnittswert an, den die Zufallsvariable bei sehr vielen Wiederholungen des Zufallsexperiments auf lange Sicht im Mittel annimmt[cite: 1, 2].

Definition

Es sei ein Zufallsexperiment mit der endlichen Ergebnismenge [math]\displaystyle{ \Omega }[/math] gegeben[cite: 1, 2]. Eine diskrete Zufallsvariable [math]\displaystyle{ X }[/math] nehme die Werte [math]\displaystyle{ x_1, x_2, \dots, x_n \in \mathbb{R} }[/math] mit den zugehörigen Wahrscheinlichkeiten [math]\displaystyle{ P(X = x_i) }[/math] an (wobei [math]\displaystyle{ \sum_{i=1}^n P(X = x_i) = 1 }[/math] gilt)[cite: 1, 2].

Der Erwartungswert [math]\displaystyle{ \mu = E(X) }[/math] der Zufallsvariablen [math]\displaystyle{ X }[/math] ist definiert als[cite: 1, 2]:

[math]\displaystyle{ \mu = E(X) = \sum_{i=1}^n x_i \cdot P(X = x_i) = x_1 \cdot P(X = x_1) + x_2 \cdot P(X = x_2) + \dots + x_n \cdot P(X = x_n) }[/math][cite: 1, 2]

Bedeutung der Bestandteile:

  • [math]\displaystyle{ x_i }[/math] sind die möglichen Realisationen (Werte) der Zufallsvariablen [math]\displaystyle{ X }[/math][cite: 1, 2].
  • [math]\displaystyle{ P(X = x_i) }[/math] ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsvariable den Wert [math]\displaystyle{ x_i }[/math] annimmt[cite: 1, 2].
  • [math]\displaystyle{ \sum_{i=1}^n }[/math] summiert die gewichteten Werte über alle [math]\displaystyle{ n }[/math] möglichen Ausprägungen auf[cite: 1, 2].

Faires Spiel

In ökonomischen und stochastischen Kontexten wird ein Zufallsexperiment mit finanziellem Einsatz und Gewinnausschüttung als (Glücks-)Spiel zwischen zwei Parteien (in der Regel Spielteilnehmer und Spielanbieter) modelliert[cite: 1, 2].

Beschreibt die Zufallsvariable [math]\displaystyle{ X }[/math] den Nettogewinn eines Spielers in Geldeinheiten (Gewinnauszahlung abzüglich Spieleinsatz, wobei Auszahlungen als [math]\displaystyle{ X > 0 }[/math] und Verluste als [math]\displaystyle{ X < 0 }[/math] dargestellt werden), so dient der Erwartungswert zur Beurteilung der Ausgewogenheit des Spiels[cite: 1, 2]:

Ein Spiel heißt fair, wenn der erwartete Nettogewinn pro Spielrunde gleich null ist[cite: 1, 2]:

[math]\displaystyle{ E(X) = 0 }[/math][cite: 1, 2]

Beurteilungskriterien für ein Spiel:

  • Faires Spiel ([math]\displaystyle{ E(X) = 0 }[/math]): Auf lange Sicht gewinnt oder verliert im Durchschnitt weder der Spieler noch der Anbieter[cite: 1, 2].
  • Günstiges Spiel ([math]\displaystyle{ E(X) > 0 }[/math]): Der Spieler erzielt auf lange Sicht einen durchschnittlichen Gewinn pro Runde[cite: 1, 2].
  • Ungünstiges Spiel ([math]\displaystyle{ E(X) < 0 }[/math]): Der Spieler erzielt auf lange Sicht einen durchschnittlichen Verlust pro Spielrunde (dies ist der typische Fall bei kommerziellen Glücksspielen und Lotterien)[cite: 1, 2].

Alternativ kann die Bruttoauszahlung [math]\displaystyle{ A }[/math] betrachtet werden: Ein Spiel ist genau dann fair, wenn der Erwartungswert der Auszahlung exakt dem Einsatz [math]\displaystyle{ e }[/math] entspricht ([math]\displaystyle{ E(A) = e }[/math])[cite: 1, 2].

Beispiele

Erwartungswert beim dreifachen Münzwurf

Eine faire Münze wird dreimal geworfen[cite: 1, 2]. Die Ergebnismenge lautet[cite: 1, 2]:

[math]\displaystyle{ \Omega = \{\mathrm{ZZZ}, \mathrm{ZZK}, \mathrm{ZKZ}, \mathrm{ZKK}, \mathrm{KZZ}, \mathrm{KZK}, \mathrm{KKZ}, \mathrm{KKK}\} }[/math][cite: 1, 2]

Die diskrete Zufallsvariable [math]\displaystyle{ X }[/math] beschreibt die Häufigkeit des Ergebnisses „Zahl“ und kann die Werte [math]\displaystyle{ x_i \in \{0, 1, 2, 3\} }[/math] annehmen[cite: 1, 2]. Die zugehörige Wahrscheinlichkeitsverteilung und die Zwischenschritte zur Berechnung des Erwartungswerts stellen sich wie folgt dar[cite: 1, 2]:

Wert [math]\displaystyle{ x_i }[/math] (Anzahl Zahl) Günstige Ergebnisse aus [math]\displaystyle{ \Omega }[/math] Wahrscheinlichkeit [math]\displaystyle{ P(X = x_i) }[/math] Produkt [math]\displaystyle{ x_i \cdot P(X = x_i) }[/math]
0 [math]\displaystyle{ \{\mathrm{KKK}\} }[/math] [math]\displaystyle{ 0{,}125 }[/math] [math]\displaystyle{ 0 \cdot 0{,}125 = 0 }[/math]
1 [math]\displaystyle{ \{\mathrm{ZKK}, \mathrm{KZK}, \mathrm{KKZ}\} }[/math] [math]\displaystyle{ 0{,}375 }[/math] [math]\displaystyle{ 1 \cdot 0{,}375 = 0{,}375 }[/math]
2 [math]\displaystyle{ \{\mathrm{ZZK}, \mathrm{ZKZ}, \mathrm{KZZ}\} }[/math] [math]\displaystyle{ 0{,}375 }[/math] [math]\displaystyle{ 2 \cdot 0{,}375 = 0{,}750 }[/math]
3 [math]\displaystyle{ \{\mathrm{ZZZ}\} }[/math] [math]\displaystyle{ 0{,}125 }[/math] [math]\displaystyle{ 3 \cdot 0{,}125 = 0{,}375 }[/math]
Summe [math]\displaystyle{ 1{,}000 }[/math] [math]\displaystyle{ \mu = 1{,}500 }[/math]

Der Erwartungswert berechnet sich durch Summation der Produkte[cite: 1, 2]:

[math]\displaystyle{ \mu = E(X) = 0 \cdot 0{,}125 + 1 \cdot 0{,}375 + 2 \cdot 0{,}375 + 3 \cdot 0{,}125 }[/math][cite: 1, 2]

[math]\displaystyle{ \mu = E(X) = 0 + 0{,}375 + 0{,}750 + 0{,}375 = 1{,}5 }[/math][cite: 1, 2]

Interpretation: Bei sehr vielen Wiederholungen des dreifachen Münzwurfs ist auf lange Sicht durchschnittlich [math]\displaystyle{ \mu = 1{,}5 }[/math]-mal das Ergebnis „Zahl“ pro Durchgang zu erwarten[cite: 1, 2].

Einfacher Münzwurf als faires Spiel

Wir betrachten das Werfen einer fairen Münze[cite: 1, 2]. Das Zufallsexperiment besitzt die Ergebnismenge[cite: 1, 2]:

[math]\displaystyle{ \Omega = \{\text{Kopf}, \text{Zahl}\} }[/math][cite: 1, 2]

Die Spielregeln lauten aus Sicht des Teilnehmers:

  • Fällt Kopf, gewinnt der Teilnehmer [math]\displaystyle{ 1\,\text{Euro} }[/math][cite: 1, 2].
  • Fällt Zahl, verliert der Teilnehmer [math]\displaystyle{ 1\,\text{Euro} }[/math] (der Anbieter erhält den Euro)[cite: 1, 2].

Die Zufallsvariable [math]\displaystyle{ X }[/math] beschreibt den finanziellen Nettogewinn des Teilnehmers in Euro und nimmt die Werte [math]\displaystyle{ +1 }[/math] und [math]\displaystyle{ -1 }[/math] an[cite: 1, 2]:

Ergebnis aus [math]\displaystyle{ \Omega }[/math] Gewinn/Verlust [math]\displaystyle{ x_i }[/math] (in €) Wahrscheinlichkeit [math]\displaystyle{ P(X = x_i) }[/math] Produkt [math]\displaystyle{ x_i \cdot P(X = x_i) }[/math]
Kopf [math]\displaystyle{ +1 }[/math] [math]\displaystyle{ \frac{1}{2} = 0{,}5 }[/math] [math]\displaystyle{ (+1) \cdot 0{,}5 = +0{,}5 }[/math]
Zahl [math]\displaystyle{ -1 }[/math] [math]\displaystyle{ \frac{1}{2} = 0{,}5 }[/math] [math]\displaystyle{ (-1) \cdot 0{,}5 = -0{,}5 }[/math]
Summe [math]\displaystyle{ 1{,}0 }[/math] [math]\displaystyle{ E(X) = 0{,}0 }[/math]

Der Erwartungswert des Nettogewinns berechnet sich wie folgt[cite: 1, 2]:

[math]\displaystyle{ E(X) = 1 \cdot P(X = 1) + (-1) \cdot P(X = -1) }[/math][cite: 1, 2]

[math]\displaystyle{ E(X) = 1 \cdot \frac{1}{2} + (-1) \cdot \frac{1}{2} = \frac{1}{2} - \frac{1}{2} = 0 }[/math][cite: 1, 2]

Interpretation: Da der Erwartungswert [math]\displaystyle{ E(X) = 0 }[/math] beträgt, handelt es sich um ein faires Spiel[cite: 1, 2]. Weder der Spieler noch der Anbieter kann auf lange Sicht einen systematischen Gewinn erzielen[cite: 1, 2].