DQL
Einführung
Die Data Query Language (kurz DQL) der Structured Query Language (SQL) ermöglicht es, mittels Abfragen Informationen aus unterschiedlichen Tabellen zusammenzutragen. Das Ergebnis einer Abfrage ist eine Relation und kann oft auch wie eine Tabelle angezeigt, bearbeitet und weiterverwendet werden. Abfragen basieren auf den Operationen der relationalen Algebra.
Datenbasis


Um die Syntax von SQL-Abfragen nachvollziehen zu können, wird die Datenbasis eines Friseursalons verwendet (siehe Bilder). Die Abfragen beziehen sich auf Tabellen wie `Mitarbeiter`, `Salon`, `Kunde` und `Termin`.
Auswahl (SELECT)
Eine Abfrage beginnt mit der Auswahl anzuzeigender Spalten durch das Schlüsselwort SELECT.
- Spalten werden durch Komma getrennt.
- Mit einem Sternchen (`*`) werden alle Spalten ausgewählt.
- Bei mehreren Tabellen wird die Punkt-Notation verwendet: `Tabellenname.Spaltenname`.
Alias (AS)
Nach jeder Spalte kann mit dem Schlüsselwort AS ein neuer Name (Alias) für die Anzeige festgelegt werden.
SELECT IdMitarbeiter AS Mitarbeiternr, Nachname FROM Mitarbeiter;
Datenherkunft (FROM)
Nach dem Schlüsselwort FROM werden alle Tabellen angegeben, die von der Abfrage betroffen sind. Es muss mindestens eine Tabelle angegeben werden.
Einfache Abfrage:
SELECT * FROM Mitarbeiter;
Ergebnis:
| IdMitarbeiter | Nachname | Vorname | FkSalon |
|---|---|---|---|
| 1 | Krause | Sabine | 1 |
| 2 | Schrotter | Claudia | 1 |
| 3 | Hermann | Markus | 1 |
| 4 | Krause | Christoph | 2 |
| 5 | Bitter | Manuel | 2 |
Filter (WHERE)
Ein Filter schränkt die Ergebnismenge auf Datensätze ein, für die eine Aussage im Sinne der booleschen Algebra wahr ist. Er wird durch WHERE eingeleitet.
- Operatoren: `<>`, `=`, `AND`, `OR`, `NOT`.
- BETWEEN: Gibt Ober- und Untergrenze eines Filters gleichzeitig an.
Beispiel komplexer Filter:
SELECT Vorname, Nachname FROM Mitarbeiter
WHERE (Nachname = 'Krause' OR Vorname = 'Manuel') AND IdMitarbeiter <> 1;
Ergebnis:
| Vorname | Nachname |
|---|---|
| Christoph | Krause |
| Manuel | Bitter |
IS NULL
SQL nutzt NULL-Werte für fehlende Daten. Die Prüfung erfolgt mit `IS NULL` oder `IS NOT NULL`.
SELECT * FROM Termin WHERE Datum IS NOT NULL;
Sortierung und Begrenzung
ORDER BY
Mit ORDER BY wird die Sortierreihenfolge festgelegt.
- ASC: aufsteigend (Standard)
- DESC: absteigend
SELECT Nachname, Vorname FROM Mitarbeiter ORDER BY Nachname ASC;
Top-N-Zeilen (LIMIT)
Bei MySQL und PostgreSQL wird die Ergebnismenge durch LIMIT beschränkt, um z. B. nur die "besten" oder aktuellsten Einträge zu erhalten.
SELECT * FROM Warenkorbposition ORDER BY Datum DESC LIMIT 10;
Tabellen verknüpfen (JOINs)
Werden Informationen aus unterschiedlichen Tabellen benötigt, müssen diese verbunden werden.
Innerer natürlicher Verbund (INNER JOIN)
Zeigt nur Datensätze an, für die in beiden Tabellen eine Entsprechung existiert.
SELECT Salon.Name AS Salonname, Mitarbeiter.Nachname
FROM Salon INNER JOIN Mitarbeiter ON Salon.IdSalon = Mitarbeiter.FKSalon;
Linker äußerer Verbund (LEFT JOIN)
Alle Datensätze der linken Tabelle werden angezeigt, die der rechten nur bei Übereinstimmung.
Rechter äußerer Verbund (RIGHT JOIN)
Alle Einträge der rechten Tabelle werden selektiert, auch ohne Verbindung zur linken.
Gruppierung und Aggregat-Funktionen
Mit GROUP BY werden Datensätze aggregiert.
- Funktionen: `COUNT`, `SUM`, `AVG`, `MIN`, `MAX`.
- HAVING: Filtert aggregierte Gruppen (ein `WHERE` ist hier nicht möglich).
SELECT SUM(Rechnungsbetrag) AS Umsatz, Mitarbeiter.Nachname
FROM Termin INNER JOIN Mitarbeiter ON Termin.FKMitarbeiter = Mitarbeiter.IdMitarbeiter
GROUP BY Mitarbeiter.IdMitarbeiter HAVING Umsatz > 100;
Ergebnis: 106 | Schrotter (Da Claudia Schrotter Termine über 29€ und 77€ hatte).
Unterabfragen (Verschachtelt)
Unterabfragen liefern Informationen, die als Grundlage für die Hauptabfrage dienen. Sie müssen immer in Klammern gesetzt werden.
-- Termine mit unterdurchschnittlichem Umsatz
SELECT TerminID, Rechnungsbetrag FROM Termin
WHERE Rechnungsbetrag < (SELECT AVG(Rechnungsbetrag) FROM Termin);
UNION
Mit UNION werden zwei Relationen vereint. Doppelte Werte werden ignoriert. Die Spalten müssen vom gleichen Typ sein.
SELECT nachname FROM Mitarbeiter UNION SELECT nachname FROM Kunde;
Reihenfolge der Abarbeitung
Das DBMS arbeitet eine DQL-Abfrage logisch von "innen nach außen" in dieser Reihenfolge ab:
| Schritt | Klausel | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1 | FROM | Inklusive JOINs: Datenbasis festlegen. |
| 2 | WHERE | Filterung der einzelnen Datensätze. |
| 3 | GROUP BY | Gruppierung der Daten. |
| 4 | HAVING | Filterung der gebildeten Gruppen. |
| 5 | SELECT | Projektion und Berechnungen (SUM, etc.). |
| 6 | ORDER BY | Sortierung des Ergebnisses. |
| 7 | LIMIT | Auswahl der relevanten Datensatzzahl. |